Studentenseelsorge in Köln

Seit 1920 gibt es die "Studentenseelsorge" in Köln. Sie begann am 11. August 1920 mit der Ernennung von Robert Grosche, seinerzeit Kaplan an St. Peter in Köln. Aus der Tätigkeit Grosches und seiner Nachfolger bildete sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Katholische Studentengemeinde, später Katholische Hochschulgemeinde (KHG) als sogenannte "Personalpfarrei" im Unterschied zu einer "regulären" Pfarrei im Sinne einer Ortsgemeinde. Ein förmlicher Gründungsakt für die KHG Köln scheint nicht zu existieren. Im Jahre 1957 wurde Dr. Wilhelm Nyssen als Studenten- bzw. Hochschulpfarrer ernannt. Er verstarb am 16. Juli 1994 im Amt.

Zur Entstehung des Zentrums der KHG Köln
Am Anfang der sechziger Jahre fragte Hochschulpfarrer Wilhelm Nyssen bei Joseph Kardinal Frings, dem damaligen Erzbischof von Köln, an, ob unsere Kirche nicht auch im unmittelbaren Bereich der Universität präsent werden müsse. Überall in Deutschland waren katholische Studentenzentren entstanden, Köln besaß nur ein winziges. … Als der Hochschulpfarrer über Nacht ein Grundstück in unmittelbarer Nähe der Universität angeboten bekam, sorgte Kardinal Frings für den raschen Kauf.

Der damalige Kanzler der Universität sagte: "Die Universität baut vor den Toren der Stadt, Sie bauen vor den Toren der Universität. Herzlichen Glückwunsch!"

Längst war im kleinen Kreis ein Konzept für ein solches Zentrum entstanden. Zwei Studentenheime waren geplant, ein Zentrum der Gemeindearbeit, das auch für alle die offen steht, die nicht am Ort wohnen, eine Kirche und ein Pfarrhaus mit der Möglichkeit, auch einmal einer kleinen Ordensgemeinschaft Platz zu bieten.

Kühne Mitarbeiter bei der Gestaltung waren schnell gefunden. Architekt Heinz Buchmann aus Dinslaken entwarf das Gesamtkonzept. … Nach der endgültigen Zustimmung des Generalvikariates wurden dann auch zuerst die beiden Wohnheime im Zeitraum von 2 Jahren errichtet. Im Juli 1965 wurde der erste Bagger durch den Hochschulpfarrer angesetzt, im Mai 1967 bezogen 240 Studentinnen und Studenten ihre Wohnungen. …

Schon ein Jahr später konnte auch das Zentrum der Gemeindearbeit bezogen werden. Die Kirche, deren Grundstein Kardinal Frings selbst gelegt hatte, war ebenfalls zur gleichen Zeit vollendet.

Den überaus kühnen Entwurf zur Kirche der Hochschulgemeinde lieferte der Paderborner Bildhauer Josef Rikus. Die gemeinsame Überlegung ging darauf hinaus, eine Kirche nach dem Prinzip eines Baumes zu gestalten, der sein weites Geäst in strenger architektonischer Umsetzung wirft und dadurch den Raum schafft. Kirchenraum als Andersheit gegen Essen, Trinken, Studieren, Schlafen und Geselligkeit, das war das Konzept, gewiß gegen viele Tendenzen der Zeit. …

Schon zu Anfang des Bauens war uns klar, dass ein Studentenzentrum mit Kirche und Wohnheimen in unmittelbarer Nähe der Albertus-Magnus-Universität zu Köln auch einen Namen haben müsste, der die große Tradition fortsetzt und zugleich vergegenwärtigt.
Wie bereits in Würzburg die Kilians-Burse als Gemeindezentrum entstanden war, in Freiburg die Albertus-Burse, so sollte auch unser Anwesen diesen alten Namen ‚Burse’ erhalten, den mittelalterlichen Namen ‚Bursa’, der den Treffpunkt für Wohnen und Leben von Studenten bezeichnet. Der Name aber sollte einer gegenwärtigen Gestalt gewidmet werden. Einmütig entschied man sich für Papst Johannes XXIII., der für alle ein Bild herausragender Glaubensgröße, tief menschlicher Güte und zeitnaher Offenheit darstellte. Unser Hochschulpfarrer hatte ihn schon im Kriegsgefangenenseminar deutscher Theologen 1946 in Chatres kennengelernt und erlebt. Bis heute können wir feststellen, dass unser Anwesen im Geleit dieses Namens wie unter einem guten Stern stand und steht.

Aus Gesprächen und Briefen ehemaliger Mitarbeiter und Studenten zusammengestellt von Wilhelm Nyssen, in: 25 Jahre Papst-Johannes-Burse, 33-36.
Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Katholische Hochschulgemeinde Köln (um 1952-1994).