Kirche Hl. Johannes XXIII

Als begehbare "Beton-Freiplastik" eine der schönsten modernen Kirchen Kölns.
Die Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde in der Berrenrather Straße, Köln-Sülz, ist nicht auf den ersten Blick als solche zu identifizieren - kein Glockenturm weist sie als sakrales Gebäude aus. Sie wurde in der gleichen Zeit und im gleichen Stil erbaut wie die sie umgebenden Gebäude, Betonstil der späten Sechziger, in der auch die neuen Gebäude der Kölner Universität in der Nähe errichtet wurden. Der Beton wird aber in einer anderen Art verwendet, gleichsam als Gestaltungsmaterial.
Wenn auch die Kirche in gleichem Stil gebaut ist, so wird sie doch zum Zeichen der "Andersheit": "Bau als Zeichen der Andersheit gegenüber den alltäglichen Lebensvorgängen ist zugleich Zeichen der Zwecklosigkeit des reinen Spiels. Dieser Gedanke alarmiert die Künste und läßt sie bis zum Äußersten an Strenge und Eindeutigkeit, eben an Umsetzung ins Zeichen gewinnen. Aber "Ort der Andersheit" bezeichnet keinen willkürlichen Akt des Menschen, etwa einen vom Alltag reservierten Bau, der nur für Gebete und geistliche Konzerte bestimmt ist. Ort der Andersheit heißt Ort, an dem die Feier der Mysterien, der Auftrag Jesu vollzogen wird, durch dessen Erfüllung sich erst Kirche in allem Wandel der Verhältnisse konstituiert." (Wilhelm Nyssen, Die Kirche der Hochschulgemeinde in Köln, Schriftenreihe des Zentrums patristitischer Spiritualität Koinonia hrsg. Von W. Nyssen, Köln 1983)
Im Jahr 1964 wurde der Bildhauer Josef Rikus mit dem Bau einer Kirche für die KHG beauftragt, er hat den Entwurf von Aussen- und Innenarchitektur gemacht, Sedilien, Tabernakelstele, Ambo und Altar aus schweren Holzblöcken gestaltet.
Die Konzeption der Kirche ist ein Baum, der in der Höhle der Krypta, der Unter-Kirche seine Wurzeln hat, der Stamm - ein Holzgebilde - ist Herberge für das Allerheiligste, die Äste entfalten sich in einer gewagten Betonkonstruktion im Innenraum und setzen sich fort als Dach. Dort, wo die Betonpfeiler sich aus der Krypta in den Oberraum emporstrecken, am Durchbruch aus dem Boden, wird mit durchsichtigen groben Glasbausteinen Wasser angedeutet und Durchblick in die Höhle des Ursprungs geboten. Die Verbindung vom unteren zum oberen Raum sind die vier Pfeiler, die als Stamm das schwere und dennoch filigrane Betongebilde der Kirche tragen.
Die Wände sind der reine Beton - durchbrochen von roten, blauen und weißen und durchsichtigen Glasfenstern, die den Blick nach draußen zum Wohnheim freigeben. Gerade in der Krypta, dem Ort der Kunst, sind diese Wände von fast bedrückender Kahlheit - Kälte und Leere machen sich breit, wenn der Ort nicht gerade liturgisch "benutzt" wird. Der Altar aus rotem Sandstein und ein Quadrat aus vier gestalteten Betonsäulen der Baumwurzel betonen die Einfachheit des Raumes. Er will einerseits gefüllt werden und andererseits streckt er sich immer wieder nach der ursprünglichen Leere aus. Dieser Raum ist mehr ist als ein von Wänden umgrenzter Innenraum. Er ist Abbild des ursprünglichen Geheimnisses menschlicher Existenz, der Wurzel des Menschseins, der zunächst haltlosen Tiefe.

Der Boden in der Krypta ist aus dem demselben Material wie der Boden draußen, rote Backsteine. Das bedeutet: Die Welt draußen ist keine andere als die Welt innen, aber dennoch wird sie konfrontiert mit einer anderen Dimension von Welt, die die reale nicht leugnet, aber sie transzendiert.
Aber es ist nicht der Raum allein, der dies schafft, sondern er kann nicht ohne seinen Inhalt definiert werden und dieser ist die Liturgie. Manche Werktagsgottesdienste im kleinen Kreis, das Taizé-Gebet, der Karfreitagsgottesdienst, der Anfang der Christmette und der Osternacht finden dort statt.